Berühmte Dirigenten im MGV: Jakob Christ

Der Name Jakob Christ (1895–1974) ist in Bonn untrennbar mit der Chormusik und dem Chorverlag Braun-Peretti verbunden. Doch die Anfänge seiner musikalischen Laufbahn führen auch nach Urfeld: Hier stand er als Dirigent des MGV Liederkranz Urfeld am Pult und prägte mit seinem Wirken den Chor in einer wichtigen Phase seiner Geschichte.

Geboren 11. August 1895 in Frankfurt am Main legte er als Absolvent des dortigen renommierten Dr. Hoch’s Konservatorium den Grundstein für eine doppelte Karriere als Komponist und Musikverleger. Bereits 1921 übernahm er eine traditionsreichen Musikalienhandlung in Bonn, die bereits seit 1896 existierte, und gründete 1926 den Chorverlag Braun-Peretti – ein Schritt, der ihn zu einem zentralen Förderer des deutschen Laienchorgesangs machte.

1933 übernahm Jakob Christ die musikalische Leitung des MGV Liederkranz Urfeld e.V. und trat damit die Nachfolge von Josef Thiebes an. Obwohl seine Zeit in Urfeld nur zwei Jahre dauerte, hinterließ er bleibende Spuren: Unter seiner Leitung pflegte der Chor ein anspruchsvolles weltliches und geistliches Repertoire, etwa mit Schuberts „Schäfers Sonntagslied“ oder „Abendfrieden“. Diese Jahre standen im Zeichen des musikalischen Aufbruchs – der Chor wuchs, und sein Klang wurde überregional beachtet. Auch als Komponist fand Christ Eingang in die Vereinschronik.

Seine Werke sind bis heute lebendig: Neben zahlreichen Arrangements für Männerchor schrieb Christ viele eigene Kompositionen, die in ganz Deutschland gesungen werden. Besonders bekannt sind der „Frohe Sängermarsch“, das Chorstück „Frohsinn“ sowie die geistliche Komposition „Domine pacem da nobis“ (Herr, gib uns Frieden), die unter anderem von den Mainzer Hofsängern aufgenommen wurde und seine Vielseitigkeit im geistlichen Repertoire belegt. Darüber hinaus trat er als Bearbeiter von Volksweisen und Klassikern hervor, wie beispielsweise der Bearbeitung von Franz Schuberts „Im Abendrot“ für Männerchor.

Das Zentrum von Christs chorischem Schaffen blieb jedoch Bonn. Die längste und prominenteste Chorleitertätigkeit übte er beim Stifts-Chor Bonn aus, den er in zwei Phasen von 1939 bis 1945 und erneut von 1947 bis 1953 führte.

Jakob Christ starb am 21. Oktober 1974. Sein Vermächtnis lebt in den Noten seiner Kompositionen und Arrangements weiter, die Chöre in ganz Deutschland weiterhin inspirieren.
Foto: Familie Christ